„Wild auf Wild“ – Neue Vermarktungswege für heimisches Wild

Martin Bürner (Geschäftsführer LJV BW)
Philipp Brauch (Wildmanufaktur BESH)
Samuel Golter (Wildbretvermarktung LJV)
Julia Winterfeldt (Kreisjägermeisterin JV SHA)

  • Martin Brüner (Geschäftsführer LJV BW), Philipp Brauch (Wildmanufaktur BESH), Samuel Golter (Wildbretvermarktung LJV), Julia Winterfeldt (Kreisjägermeisterin JV SHA)
Erstellt am 20.08.2019

In der gemeinsamen Aktion „Wild auf Wild“ vom Ministerium für Ländlicher Raum (MLR), Landesjagdverband (LJV), Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) und EDEKA Südwest soll Verbrauchern Wild, speziell zum Grillen im Sommer, schmackhaft gemacht und das Angebot von Wild und Wildprodukten im Lebensmitteleinzelhandel verbessert werden.

Zur Aufklärung und Projektvorstellung innerhalb der Jägerschaft organisierte die Jägervereinigung Schwäbisch Hall e.V.  am Freitag 19.07.2019 eine Infoveranstaltung zur Aktion „Wild auf Wild – neue Vermarktungswege für heimisches Wild“ in der Gemeindehalle Oberfischach. Samuel Golter, verantwortlich für die Förderung Wildbretvermarktung beim LJV, und Philipp Brauch, Metzgermeister der Wildmanufaktur BESH, erläuterten die neuen Vermarktungswege für heimisches Wild und die damit zusammenhängenden Chancen für die Jägerschaft. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von den Jagdhornbläsern Schwäbisch Hall.

Julia Winterfeldt, Kreisjägermeisterin der Jägervereinigung Schwäbisch Hall e.V., begrüßte die rund 70 anwesenden Jäger und Jägerinnen von den Jägervereinigungen Schwäbisch Hall, Crailsheim und Hohenlohe. „Jeder von uns hat seine kleinen privaten Vermarktungswege aufgebaut und diese sollen auch bestehen bleiben“, so Julia Winterfeldt zu Beginn, „Es ist dennoch gut zu wissen, dass es mit der BESH Wildmanufaktur eine sichere Anlaufstelle zur Wildbretvermarktung gibt.“

Um steigende Strecken, insbesondere beim Schwarzwild, sinnvoll und mit ordentlicher Wertschöpfung für die Jägerschaft vermarkten zu können, wurde bereits 2018 eine Vermarktungskette von regionalen Jägern bis zum Endverbraucher aufgestellt. Ziel der Kooperation ist die nachhaltige Wildbretvermarktung von heimischem Wild aus waidgerechter Jagd mit den Partnern EDEKA und BESH. Die BESH gründete daher eine eigene Wildmanufaktur, die die komplette Versorgung, Verarbeitung und Vermarktung des Wildes über den Handel übernimmt. Erlegtes Wild in geringen Stückzahlen oder Einzelstücke können bei der BESH direkt in Schwäbisch Hall angeliefert werden. Ab 250 kg kann das Wild zudem beim Jäger abgeholt werden. Weiter hat die Jägerschaft eine dauerhaft gesicherte Abnahme von Wildschweinen und Rehwild, die Anlieferung erfolgt in der Decke bzw. Schwarte, der Jäger hat kein Zerwirkaufwand und auch die Trichinenprobe bei Schwarzwild entfällt für den Jäger.

Philipp Brauch erklärte, dass die Wildbrethygiene bei der Anlieferung eine enorm wichtige Rolle spielt. So sollte das Wild in der Decke bspw. maximal 5 Kühltage beim Jäger hängen, das Wild sauber aufgebrochen und mit frischen Trinkwasser ausgespült werden oder die Anlieferung  in einer Wanne und nicht auf einem Heckträger erfolgen. Stimmt die Qualität nicht oder sind am Wild Knochentreffer vorhanden, wird der gezahlte Kilopreis minimiert. Unter den anwesenden Jäger/-innen wird die Preisgestaltung kritisiert, denn ein waidgerechter Blattschuss hat einen Preisabzug von mind. 1€/kg zur Folge. Folglich könnte die Anzahl nicht waidgerechter Schüsse damit steigen. „Die Preismatrix ist fair und hat klare Strukturen“, argumentiert Philipp Brauch. Ein amtlicher Veterinärarzt beschaut jedes Stück Wild und definiert, welche Teile für den Handel verwendet werden dürfen und welche nicht, denn seitens BESH und EDEKA gibt es eine Qualitätssicherung, die es zu erfüllen gilt. Die Kritik an der Preisgestaltung nimmt Samuel Golter dennoch in zukünftige Gespräche mit der BESH auf.

„Der Markt ist da, wir haben großes Potenzial“, so Philipp Brauch, denn 2018 konnten rund 60 % der Nachfrage nicht bedient werden, daher ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen BESH und der Jägerschaft entscheidend für den Erfolg der Aktion „Wild auf Wild“. Unter dem Motto „Genuss aus heimischen Wäldern“ wird aus dem angelieferten Wild bspw. Teilstücke (Keule, Schulter, Rücken, Filet), verschiedene Steaks, Würste und Spieße, aber auch Konserven (Bratwurst) oder Wurstwaren (Wildlyoner, Leberwurst oder Jagdwurst) in den Filialen von BESH und EDEKA angeboten.

Samuel Golter betont, dass  die bestehenden Vermarktungswege der Jägerschaft erhalten bleiben sollen und die Wildmanufaktur BESH lediglich eine weitere Möglichkeit bietet, um Wildbret nachhaltig zu veräußern. Weiter ist es eine Chance für die direkte Wildbretvermarktung, denn Privatpersonen werden dadurch viel häufiger mit Wildfleisch konfrontiert, lernen weitere Zubereitungsarten kennen und fragen sicherlich auch verstärkt beim heimischen Jäger nach.

Zusammenfassend ist die Aktion „Wild auf Wild“ eine gute Wertschätzung an die Jägerschaft in Baden-Württemberg und sollte auch als solche angenommen werden.

Erstellt am 20.08.2019
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