HR I - Wildtierrettung vor der Mahd

Erstellt am 01.06.2020

Die erste und zweite Mahd von Grünland fällt jedes Jahr mit der Setzzeit und den ersten Lebenswochen von Jungtieren wie Hasen und Rehkitzen zusammen. Die Elterntiere legen ihre Jungen wegen der oftmals guten Deckung im hohen Gras oder Klee ab.

Damit junge Wildtiere bei der Mahd möglichst nicht verletzt oder getötet werden, muß der Bewirtschafter rechtzeitig vor der Mahd überlegen, wie er dieses Ziel erreichen kann. Denn der Bewirtschafter ist nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, dort Maßnahmen zu ergreifen, wo bei Mäharbeiten mit dem Tod oder der Verletzung von Wirbeltieren zu rechnen ist.

Es gibt unterschiedliche Vorgehensweisen und technische Hilfsmittel wie die Jungtiere vor der Mahd gefunden und in Sicherheit gebracht werden können. Für den erfolgreichen Einsatz der möglichen Maßnahmen gibt es kein Patentrezept. Möglich ist beispielsweise das Absuchen des Grünlands mit einer Drohne mit Wärmebildkamera, das Vergrämen mit akustischen Wildrettern am Mähwerk, das Aufstellen von selbstgebauten Scheuchen oder der Einsatz von Wildvergrämungsmitteln. Auch die Mähtechnik kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. So kann das Anmähen der Vorbeete am Vorabend der Mahd dazu führen, dass die Elterntiere  die Veränderungen registrieren und ihren Nachwuchs in der Nacht aus dem Grünland, das am nächsten Tag gemäht werden soll, wegführen. Empfohlen wird von verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen und Jagdverbänden – in Bayern ist das sogar Pflicht!- Grünflächen von mehr als einem Hektar grundsätzlich von innen nach außen zu mähen. Auch eine angepasste Mähgeschwindigkeit hilft, Tierleid zu vermeiden.

Dass für die erfolgreiche Wildtierrettung eine gute Abstimmung zwischen den Landwirten und den zuständigen Jägern wichtig ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Hessental. Dort hat der Landwirt Andreas Kronmüller rechtzeitig vor dem Mähtermin die örtlichen Jäger verständigt, dass er am nächsten Tag große Grünlandflächen mähen will und beabsichtigt, am Vorabend die Vorbeete anzumähen. Die Jäger ihrerseits haben unter Anleitung des Jagdpächters Klaus Schied am Abend vor der Mahd, über die Wiesen verteilt, zahlreiche selbstgebastelte Wildscheuchen aufgestellt und so das Wild zusätzlich vergrämt. So hatten die Elterntiere die Chance, über Nacht ihre Jungen aus  dem Grünland zu führen und in Sicherheit zu bringen.

Die Arbeit hat sich gelohnt. Es wurde an diesem Tag in seinen Wiesen kein Rehkitz verletzt oder getötet.

 

SHA, 30.5.20/ Hu

Zurück zur Übersicht