Wildtiere und die Mahd

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Inzwischen ist es wieder soweit: Die Natur wächst und gedeiht. Die ersten Wiesen und Felder sind bereits geerntet und weitere Mahden folgen in den nächsten Tagen. Hier fallen jedes Jahr zwei Termine ungünstig zusammen: die Bewirtschaftung und die Brut- und Setzzeit von Wildtieren.

Von März bis Juni ist die Brut- und Setzzeit bei vielen Wildtieren in vollem Gange. Rehkitze und Gelege von Bodenbrütern werden von den Elterntieren im vermeintlich sicheren hohen Gras oder in Feldern mit z.B. Grünroggen abgelegt. Diese Tarnung und natürlicher Schutz vor dem „nicht gefressen werden“ funktioniert gegenüber natürlichen Feinden meist sehr gut. Es schützt jedoch nicht vor Kreiselmäher und Mähbalken. Verbände wie BLU, DJV, BMR und DBV machen explizit darauf aufmerksam und empfehlen Landwirten mindestens 24 Stunden vor dem geplanten Mähtermin den zuständigen Jagdpächter zu informieren oder selbst die gesetzlich erforderlichen Maßnahmen für den Schutz der gefährdeten Wildtiere durchzuführen.
Grundsätzlich gilt von innen nach außen zu mähen. So hat das Wild auch währen der Mahd die Möglichkeit zur Flucht. Eine weitere Möglichkeit zum Schutz der Wildtiere während der Brut- und Setzzeit stellt auch die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter dar. Mit einfachen Maßnahmen wird bereits viel bewirkt. Rascheltüten, Radios oder Duftstreifen, die am Vorabend an den zu bewirtschaftenden Flächen angebracht werden, können die Elterntiere so am Ablegen der Jungtiere hindern bzw. werden diese aus den beunruhigten Flächen herausgelockt. Traditionell wird mit einigen Helfern am Tag der Mahd in einer Kette die Fläche abgegangen, um Jungtiere aus der Gefahrenzone zu bringen. Dies organisiert in der Regel der Jagdpächter und nicht selten sind auch Jagdhunde an der Leine mit im Team, die Jungtiere ebenfalls anzeigen können. Auch ganze Schulklassen helfen hier jedes Jahr freiwillig mit. Leider wird dies in Coronazeiten nun so nicht möglich sein. Wenige Helfer müssen nun die Aufgabe von Vielen übernehmen.

Immer öfter werden Drohnen mit Wärmebildkameras zum Absuchen der Flächen eingesetzt. Ein sicheres Vorgehen und auch in der jetzigen Zeit die bevorzugte Methode. Die meist aus Fördergeldern, durch Privatpersonen, Jäger oder auch Jagdgenossenschaften finanzierten teuren Hightech-Geräte werden von einem geschulten Piloten bedient. Voraussetzung hierfür sind ein Drohnenführerschein und Einholung diverser Flug- und Aufstiegsgenehmigungen.  Ein zweiter Pilot wertet, während die Drohne das Gebiet abfliegt, die Wärmebilddaten aus und gibt per Funk auffällige Stellen an einen bis zwei weitere Helfer am Boden weiter. Diese kontrollieren die gemeldeten Plätze und legen bei positivem Fund die Rehkitze, gut eingebettet in Grashalmen, in Kartons oder Körben abseits der Mähfläche ab. Das Gras und die Handschuhe sollen verhindern, dass der menschliche Körpergeruch später am Kitz haftet, von der Mutter als Gefahr erkannt wird und diese ihr Junges dann nicht mehr annimmt. Bei Gelegen von Vögeln werden häufig auch Kartons mit gut sichtbarer Markierung über das Nest am Boden gestellt, sodass diese umfahren werden können. Sofort nach der Mahd werden die Jungtiere aus den Kartons oder Körben wieder ins Gras gelegt. Nun wird in regelmäßigen Abständen aus sicherer Entfernung beobachtet, ob sich das Muttertier bis zum nächsten Tag dem Nachwuchs wieder annimmt. 

Durch diese Maßnahmen und die Zusammenarbeit von Landwirten und Jägerschaft können so jedes Jahr viele Jungtiere und Bodenbrüter während der Ernte und Mahd geschützt werden.